Montag, 24. Mai 2010

Rückflug

Das Erlebnis meiner zweiten Flugreise war vollkommen anders als das erstemal. Carlos und Claudia hatten mich zum Flughafen nach Weeze gefahren, warteten aber nicht dort bis zum Abflug. Obwohl ich allein blieb, war keine Spur von Nervosität und ich kam mit allem klar bei der Gepäckaufnahme und der Metallkontrolle, als wäre ich mein ganzes Leben geflogen…

Diesmal hatte ich einen Fensterplatz und konnte die herrlichen Ausichten genießen.

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Am Flughafen in Valladolid wartete mein Mann. Ich sehnte mich so danach, ihn zu umarmen… Ich hatte ihn so sehr vermisst in diesen Tagen in Deutschland! Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so seltsam ohne ihn dort fühlen würde. Ich dachte, es wäre gut, ohne ihn zu fahren und so mehr die Zeit alleine mit meiner Freundin genießen zu können, nur auf Deutsch zu reden und nicht ständig übersetzen zu müssen… allein mit meinen Erinnerungen, meinen Gedanken und meinen deutschen Gefühlen zu sein. Doch ich habe eingesehen, dass er auch Teil von mir in Deutschland ist, nicht nur wegen der gemeinsamen Zeit, die wir in Deutschland vor unserer Hochzeit und auf unseren Reisen 2008 und 2009 verbracht haben, sondern einfach, weil mir ohne ihn ein wichtiger Teil von mir selbst fehlt…

Ich bin zufrieden, diese Woche in Deutschland verbracht zu haben und auch glücklich, wieder zu Hause in Spanien zu sein.

Sonntag, 23. Mai 2010

Kirmes

Den letzten Tag meines Deutschlandaufenthaltes hatte ich für die Familie eingeplant, also brachten mich Ralf und Doro am Sonntagmorgen zu meinem Schwager nach Kaarst. Zu meiner Überraschung fiel meine Reise auf Pfingsten und es war Kirmes in Büderich. Ich freute mich riesig, als Carlos es mir erzählte… so sollte ich also noch die unerwartete Freude haben, diese Kindheitserinnerung wiederzuerleben.

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Es war schön, das Kettenkarussel sich drehen zu sehen und das Glück nachzuempfinden, dass es als Kind für mich bedeutete, darauf zu fahren. Ich lächelte beim Anblick der vielen Lebkuchenherzen mit ihren Sprüchen und dachte ein wenig wehmütig an meinen Mann, als ich die Bude mit den Pferderennen sah, die ihm immer so gefiel… Es wäre schön gewesen, ihn an dem Tag dort zu haben mit der Familie seines Bruders. Doch was mir von der Kirmes am meisten gefiel, war unsere Tradition, Backfisch zu essen. Das gehörte einfach immer zur Kirmes dazu…

Samstag, 22. Mai 2010

Letzte Tage

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Obwohl es wenige Tage waren, bin ich zufrieden, die Zeit gut genutzt zu haben, sowohl mit meiner Freundin, mit meinen Handarbeiten, als auch mit mir selbst. Ich denke, ich habe alles erledigt, wozu ich in dieser Reise nach Deutschland gekommen bin.

Es tut mir ein wenig leid, dass die Zeit abläuft, doch ich spüre auch, dass Abschiednehmen bei jeder Reise leichter und weniger schmerzlich ist. Nicht, dass mir der Aufenthalt nicht gefallen hätte oder ich wieder nach Hause möchte, sondern einfach nur wegen der Zufriedenheit des hier Erlebten und der erfüllten Wünsche, der gemeinsam verbrachten Zeit mit meiner lieben Doro.

Von Deutschland scheiden, nach Spanien zurückkehren fällt nun leichter, weil sich meine Perspektive zum Deutschen und zum Spanischen mit jeder Reise verändert hat. Ich idealisiere jedesmal weniger, was ich als verloren empfand, und bin dagegen bewusster und schätze mehr, was ich zu Hause habe… doch immer mit diesem Stich Traurigkeit des Gefühls, nirgendwohin zu gehören, weil ich nicht mehr weiß, wo meine Wurzeln sind…  Obwohl ich mich jetzt frage, ob ich es überhaupt jemals gewusst habe…

Klassentreffen

So lange erträumt und so schnell war es nun vorbei… Es war schön, doch anders, als ich mir vorgestellt hatte.

Ich habe mich sehr gefreut, Frau Schwarz wiederzusehen. Sie erinnerte sich sogar noch an einen Tag, an dem sie zu mir nach Hause gekommen war, um meinen Vater zu überreden, dass er mich zur Klassenfahrt nach Morsbach fahren ließ. Das hat mich sehr beeindruckt, dass sie sich nach so vielen Jahren und so vielen Schülern, die sie kennengelernt hat, noch daran erinnerte.

Leider sind von den 36 Leuten, die wir damals in der Klasse waren, nur 10 gekommen. Die meisten davon erkannte ich wieder und auch sie mich. Alle haben wir ein paar Kilo mehr, ein paar Fältchen im Gesicht, einige auch graue Haare – doch ich denke keiner von uns hat sich so extrem verändert, dass man sich nicht wiedererkennt, obwohl es bei einigen vielleicht ein wenig dauern kann, bis man sich sicher ist. Immerhin hatte man ja nicht mit allen dieselbe Beziehung und wir waren ja auch nicht alle 6 Jahre immer dieselben in der Klasse.

Es war die Rede von einem neuen Klassentreffen in drei Jahren. Ich hoffe, bis dahin sind die restlichen Leute ausfindig zu machen und alle können sich aufs Datum einstellen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, wieder dabei zu sein, wenn die Umstände es mir erlauben.

Freitag, 21. Mai 2010

Durch die Erinnerung radeln

Bei meinen beiden vorherigen Deutschlandaufenthalten mit meinem Mann war ein Wunsch unerfüllt geblieben, nämlich mit dem Fahrrad meine alten Strecken von damals entlangzufahren… von der Kanzlei zur Realschule, von dort aus zu Böhler, übers Deutsche Eck die Dorfstraße lang “nach Hause” zurück, wie tausendmal früher mit meiner Mutter… an der Heilig-Geist-Kirche vorbeifahren und durch so viele anderen Straßen meines ersehnten Büderichs.

Der Haken war nur, dass ich vorher die 10 km von Lank bis Büderich zurücklegen musste…

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Ich fuhr um 10 Uhr mit Doros Rad los. Die Sonne schien und es versprach, ein schöner Tag zu werden. Ich war gerade mal aus Lank heraus, da zog ich mir auch schon die Leinenjacke aus, weil es mir schon zu warm war. Ich fuhr durch Strümp und nach ungefähr einer Stunde war ich endlich in “meinem” Meerbusch, wie ich immer sage…

Natürlich ging es direkt zur Kanzlei…

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Mein erster Stopp war an dem Haus von Antonio und Encarna, ein junges spanisches Eheepaar, das mehr als Freunde eher wie Verwandte für uns war. Sie leben schon seit vielen Jahren wieder in Spanien, aber dieses Haus ist auch Teil meiner Erinnerungen und ich muss einfach immer hier anhalten. Jetzt dient es dem Museum nebenan als Lager. Ich hätte gern in den Garten geschaut. Antonio pflegte ihn sehr und hatte immer schöne Blumen.

Ich fuhr die Kanzlei weiter hinunter. Eine Kreuzung weiter hatte unser Haus gestanden, aber ich hielt nicht an. Ich hatte mich ja schon die anderen beiden Jahre daran sattgesehen. Jetzt wollte ich anderen Erinnerungen nachhängen…

Ich wollte meinen alten Schulweg entlangfahren, den ich 9 Jahre lang gefahren war… zuerst zur Realschule und später zum Gymnasium, bis auf das letzte Stück fast derselbe Weg.

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Weiter ging’s die Kanzlei entlang biz zur nächsten Kreuzung, wo “mein” alter Briefkasten stand und ich im Schreibwarenhandel an der Ecke so oft Hefte und Tintenpatronen gekauft hatte…

Ich schaute gegenüber, die andere Straßenseite sah vollkommen anders aus… wir sind oft hier vorbeigefahren in den beiden Vorjahren mit Jose, weil es auf dem Weg zu seinem Bruder lag, aber nie hatte ich mir diese Ecke in Ruhe ansehen können, nur im Vorbeifahren ein wenig wehmütig seufzen können… obwohl es schön gewesen wäre, wenn der große Baum an der Ecke damals schon gestanden hätte.

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Die Erinnerung leitete mich vom Weg ab und ich fuhr rechts in die Necklenbroicher Straße bis zur Gottesmutter, wo Jose nie hatte anhalten wollen. Diesmal hinderte mich niemand daran, dort eine Weile zu stehen und meine Bitte auszusprechen…

Schließlich fuhr ich wieder zurück und nahm meinen alten Schulweg wieder auf, den Hohegrabenweg entlang. Als ich bei Angelikas Elternhaus vorbeikam, hielt ich an und klingelte, wie ich es damals so oft gemacht hatte. Ihre Mutter öffnete, aber sie erinnerte sich natürlich nicht mehr an mich. Sie wusste nicht, ob Angelika am Abend zum Klassentreffen kommen würde und war so nett, mir ihre neue Adresse zu geben, damit ich ihr schreiben könnte.

Weiter ging’s nach rechts in die Niederdonkerstraße. Aber dann wich ich ein zweites Mal von meinem Weg ab... Plötzlich merkte ich, dass ich den Siebenschmerzensweg übersehen hatte, den ich immer auf dem Rückweg so gerne entlanggefahren bin. Also fuhr ich geradeaus bis zum Café Schwarz und da war der Siebenschmwerzensweg, wo er immer gewesen war…

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Ich fuhr diesen schönen von Bäumen gesäumten Feldweg entlang bis zum Hohegrabenweg und sah, dass ich ihn vorhin übersehen hatte, weil die Bäume den Weg am anderen Ende verdecken, wo das Kreuz steht, an das ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnerte.

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So fuhr ich nun ein zweites Mal den Hohegrabenweg entlang, diesmal aber die Strecke bis zur Realschule weiter. Es machte mir nichts aus, denn ich fand diese Straße immer sehr schön mit ihren schönen Häusern und Gärten.

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An der Realschule (jetzt Montessori Gesamtschule) stellte ich mein Fahrrad neben die vielen anderen, so wie damals, und ging weiter zum Schulhof, wo ich so viele Schulpausen verbracht hatte. Vor dem Hauptgebäude erinnerte ich mich an den ersten Schultag dort. Ich suchte meine Klassenreihe wie auf der Grundschule… das erste Mädchen aus unserer Klasse, das ich kennenlernte, war Sabine Steitz. Ich fragte mich, ob sie am Abend zum Klassentreffen kommen würde. Ob wir wohl weiterhin so unterschiedlich waren wie damals?

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Nachdem ich den Schulhof abgelaufen hatte und alle Veränderungen angesehen hatte, näherte ich mich dem Wohnblock, der rechts von der Schule liegt. Weißenberger Weg 9 war einmal mein Zuhause gewesen, als ich 4 Jahre alt war und es das Gebäude der Realschule noch überhaupt nicht gab. Ich ging ein Stück bis zur Hinterseite des Gebäudes, um die Balkone zu sehen. Mit einem Lächeln erinnerte ich mich an die Geschichte, die mein Vater erzählte von einem Tag, als er von der Arbeit kam und nach mir fragte. Meine Mutter sagte, sie hätte mich auf dem Balkon bestraft, aber als mein Vater die Balkontür öffnete, war ich verschwunden… Die grüne Vorderseite der Balkone waren früher Holzlatten, die mir als Leiter gedient hatten, um auf das anliegende Gelände zu gelangen und mit den anderen Kindern vor dem Haus zu spielen…

Von dort aus wollte ich nun einen anderen Weg zurückfahren, den ich auch viele Jahre gemacht hatte, nämlich bis zum Böhlerhort, wo ich jeden Tag zu Mittag aß und die Hausaufgaben machte, bis meine Mutter aus der Arbeit kam und mich dort abholte. Am Johann-Wienends-Platz fiel mir auf, dass es den Kiosk und das Lebensmittelgeschäft nicht mehr gab. Dort schickte mich meine Mutter hin, um Brötchen zu kaufen und in den Schuljahren blieben wir manchmal eine Weile dort am Kiosk stehen…

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Ich fuhr nun den Laacher Weg entlang bis zur Römerstraße. An der Ecke ist nun eine Eisdiele und ich hielt an, um mir dort ein Eis zu kaufen. Rechts ging’s zum allkauf, wo wir immer den Großeinkauf machten. Geradeaus weiter wohnte die Gemma, eine spanische Freundin. Mein Weg führte nach links weiter, vorbei an weiteren Orten, die alte Erinnerungen weckten, wie die Praxis von Dr. Birk, unserem jahrelangen Familienarzt, oder das Rote Kreuz, wo ich mal Blut gespendet hatte. Den Pass mit der Blutgruppe, den ich damals bekam, trage ich immer noch in der Tasche.

Doch vorher kam ich an einem anderen bekannten Haus vorbei. Ich ging die Stufen zur Haustür hinunter und sah, dass immer noch derselbe Name auf dem Klingelschild stand. Ich klingelte in der Hoffnung, etwas von Anette zu erfahren, aber leider war niemand zu Hause.

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Meine Radtour durch die Erinnerung führte mich nun den Farnacker hinunter zum Junkerstrauch, wo ich natürlich genau wie damals die Ampel in Rot antraf. Wie oft hatte wohl an dieser Ampel gestanden und nach links zum Balkon geschaut! Dort lebte eine spanische Familie, obwohl ich damals nie im Traum gedacht hätte, dass ich mal mit dieser Familie verwandt sein würde… dort lebten nämlich meine Schwiegereltern.

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Von dort aus fuhr ich geradeaus weiter bis zur Oststraße. Rechts weiter kam man zu Böhler, aber hier machte ich halt. Diesen Weg wollte ich nicht bis zum Ende fahren. Es war zu traurig für mich, das leere und verwilderte Gelände zu sehen, wo einst der Böhlerhort gestanden hatte.

Die Erinnerung an meine glückliche Zeit im Böhlerhort brachte mich auf einen anderen Gedanken und ich bog nach links ab, um bis zu meiner Grundschule auf der Witzfeldstraße zu fahren. Dort erinnerte ich mich an meine damalige Freundin Edith. Unsere Wege trennten sich nach der Grundschule und ich habe nie wieder von ihr erfahren. Ich war ein paarmal bei ihr zu Hause gewesen. Ob ich mich vielleicht an das Haus erinnerte, wenn ich es sah? Ob ich vielleicht genau wie bei Angelika und Anette denselben Namen auf der Klingel vorfinden würde? Aber leider fuhr ich die ganze Gartenstraße ab, ohne dass mir irgendeins der Häuser irgendwie bekannt vorkam. Was für ein dummer Gedanke auch von mir… immerhin waren über 36 Jahre seitdem vergangen!

Es war spät geworden und ich spürte Schwere in den Beinen, immerhin war ich schon 3 Stunden auf dem Rad unterwegs. Außerdem war es sehr warm und ich hatte Durst und Hunger. Es war langsam Zeit den Rückweg anzugehen. Ich fuhr zum Deutschen Eck und von dort aus die Düsseldorfer Straße hoch an der Mauritiuskirche und an vielen weiteren Erinnerungen vorbei, weiter geradeaus bis nach Haus Meer. Von dort aus hatte ich noch eine Stunde bis nach Lank.

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Der Rückweg kam mir kürzer vor, obwohl die letzte Strecke von Strümp bis nach Lank mir unendlich schwer fiel und ich kaum noch Kraft in den Beinen hatte. Ich war erleichtert, als ich um 15 Uhr endlich wieder bei der Doro ankam. Meine Knie taten weh, aber ich war glücklich und zufrieden, auch diesen Traum in meiner Wunschliste abhaken zu können.

Nun etwas ausruhen und uns fürs Klassentreffen heute abend schick machen. Wer wohl kommen wird? Ob ich sie wiedererkennen werde? Ob die anderen mich wiedererkennen werden? In wenigen Stunden wird ein weiterer Traum in Erfüllung gehen…